Sebastian ist zurück aus Ecuador

Zweites Interview mit Sebastian

Dieses Interview hat uns Sebastian nach seiner Rückkehr aus Ecuador gegeben. Schon während dem Projekt haben wir mit ihm gesprochen. Das erste Interview findest du hier.

"Eine willkommene Abwechslung"

ManaTapu: Du warst als Volunteer auf unserer nachhaltigen Farm in Ecuador – was ist Dein Fazit?

Sebastian: Ich hatte mir vor meiner Reise absichtlich nicht allzu konkrete Vorstellungen vom Projekt gemacht, war also für so ziemlich alles offen. Ich bin mit meinem Aufenthalt rundum glücklich und froh, mich dafür entschieden zu haben. Der Abstand vom „normalen“ Leben in Deutschland und die komplett andere Arbeit waren für mich eine willkommene Abwechslung.

ManaTapu: Gab es problematische oder komplizierte Situationen? Konnte dir gegebenenfalls unser Team vor Ort weiterhelfen?

Sebastian: Während meines Aufenthaltes hat es keine problematischen Situationen gegeben. Alle Mitglieder der Gastfamilien waren stets freundlich und zuvorkommend. Auch organisationstechnisch hat alles sehr gut funktioniert. Die jeweils nächsten Schritte, zum Beispiel der Ablauf des Standortwechsels von Quito ins Nebelwaldgebiet, wurden direkt mit mir besprochen. Dadurch war ich immer up-to-date und hatte nie das Gefühl ins „Ungewisse“ zu reisen. Dieser unmittelbare Austausch zwischen den ManaTapu Mitgliedern vor Ort und den Volunteers sollte unbedingt beibehalten werden.

ManaTapu: Welche Tipps hast Du für Volunteers, die demnächst nach Ecuador reisen?

Sebastian: Speziell was das Farmprojekt betrifft, würde ich empfehlen unbedingt eine Taschenlampe, Hausschuhe, bzw. Flip Flops, einen langen Schlafanzug und dünne lange Oberteile für die Arbeit (z.B. Hemden) mitzunehmen. Besonders die richtige Kleidung ist auf der Farm in meinen Augen unentbehrlich. Allgemein ist es eine gute Idee bereits vor Beginn der Reise mit dem Erlernen des Grundvokabulars Spanisch zu beginnen, insbesondere wenn man wie ich zuvor dieser Sprach nicht mächtig war. Sich mit den Einwohnern Ecuadors relativ gut unterhalten zu können ist ein großes Plus während des Auslandsaufenthalts. Abgesehen davon denke ich, dass es eine sehr gute Idee ist, die Zeit in Ecuador nicht „alleine“, also ohne andere Mitreisende oder Volunteers zu verbringen. Ich hatte das Glück, dass im Verlauf meines Aufenthalts noch eine Freiwillige die Farm besuchte. Dazu empfehle ich sich einfach vorher bei ManaTapu über die „Belegung“ der Projekte zu informieren.

Bus fahren kann ein Erlebnis sein

ManaTapu: Was sollte man in Ecuador unbedingt mal gemacht haben? 

Sebastian: Neben den Wanderungen, die im Intag-Tal möglich sind, sollte man auf alle Fälle mindestens einmal mit dem Bus von Santa Rosa aus fahren, da Busfahren in Ecuador ein ganzes Erlebnis für sich selbst ist ;). Auch der Markt in Otavalo ist einen Besuch wert, selbst für solche Personen wie mich, die eigentlich keine großen Fans von Souvenir- oder Touristen-Märkten sind. Falls man auch Zeit in Quito verbringt, ist ein Besuch des „Mitad del Mundo“, also des Äquators ebenfalls Pflicht. Diesen Tagesauflug kann man wahlweise mit Juan (für einen nicht unbeachtlichen Aufpreis) machen, oder mit dem Bus (wesentlich günstiger, aber natürlich nicht so komfortabel).

ManaTapu: Gibt es etwas, das man lieber nicht machen sollte?

Sebastian: Tatsächlich kann ich von keinem Erlebnis, beziehungsweise keiner Tätigkeit berichten, die ich im Nachhinein lieber hätte sein lassen! Je mehr Erlebnisse man aus seinem Auslandsaufenthalt mitnimmt, desto besser!

ManaTapu: Wie haben sich deine Spanischkenntnisse entwickelt?

Sebastian: Von meinen Sprachkenntnissen bin ich durchwegs begeistert. Eine Verständigung im Alltag auf Spanisch ist kein Problem, auch wenn natürlich hin und wieder ein Wort fehlt und eine Umschreibung nötig ist. Zudem hat es mir immer wieder Probleme bereitet die Ecuadorianer zu verstehen, wenn sich diese mal weniger Mühe gaben, verständlich zu sprechen. Meistens jedoch bekam ich den Inhalt des Gesagten, das wirklich Wichtige also, ohne größere Schwierigkeiten mit.

Zurück in Deutschland

ManaTapu: Wie war dein Rückweg? Und wie fühlt es sich an, wieder zuhause zu sein? An was musstest Du dich erst wieder gewöhnen? Und was vermisst du?

Sebastian: Nach meinem achtwöchigen Aufenthalt in Ecuador habe ich noch eine Woche in Florida verbracht, was im Vergleich zu Ecuador natürlich das komplette Kontrastprogramm war. Nachdem man auf der Farm für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert wird, kommen einem die bunten, vollen Regale von typisch amerikanischen und auch deutschen Supermärkten richtig befremdlich vor. Man beginnt definitiv, sein Konsumverhalten zu überdenken. Abgesehen davon ist es natürlich toll wieder zu Hause zu sein und nun, mit geöffneten Augen, den Luxus des Lebens in Mitteleuropa richtig schätzen zu können.

ManaTapu: Siehst du jetzt Ecuador und Lateinamerika mit anderen Augen? Was von deinen Erwartungen von dem Land hat sich erfüllt? Wovon warst du überrascht?

Sebastian: Selbstverständlich hat man von dem Land eine konkretere Vorstellung als zuvor, insgesamt hatte ich mir Ecuador aber schon so vorgestellt wie ich es letztendlich erfahren habe. Überraschend waren immer wieder Kleinigkeiten, etwa wie meine Gastfamilien ihr Geschirr spülten, die ich aus Deutschland einfach anders gewohnt war.

Macht das Projekt Sinn?

ManaTapu: Würdest du noch einmal an einem Freiwilligendienst teilnehmen? Falls ja: Was würdest du dann anders machen?

Sebastian: Ja, würde ich. Ich persönlich würde dann ein komplett anderes Projekt besuchen, ganz einfach um Abwechslung zu haben. Alles in allem war ich mit meiner Reise und ihrem Verlauf sehr zufrieden, ich war gut vorbereitet und hatte alle nötigen Informationen von ManaTapu. Eventuell würde ich noch Freunde fragen, ob sie mich begleiten mögen, da (wie bereits erwähnt) ein Aufenthalt ganz ohne Begleitung von Freunden oder anderen Volunteers schon etwas langweilig wäre.

ManaTapu: Trägt das Projekt aus Deiner Sicht in einer sinnvollen Art und Weise zur Verbesserung der Situation vor Ort bei? Hattest du das Gefühl, dass dein Einsatz im Projekt nützlich ist?

Sebastian: Ja, ich denke, dass der Aufenthalt auf der Farm sogar in zweifacher Hinsicht die Situation vor Ort verbessert: Zum Einen hilft man den Farmern die große Menge an anfallender Arbeit zu bewältigen, was ohne freiwillige Hilfskräfte nur schwerlich, bis gar nicht möglich wäre. Dabei spielt natürlich auch die schwierige Situation von Produzenten organischer Produkte in Ecuador eine Rolle. Denn in dem Land ist die Nachfrage nach diesen Produkten momentan noch relativ klein. Beziehungsweise ist der Preis, den die Konsumenten bereit sind für organische Produkte zu zahlen, gering. Ändert sich dies langfristig, wäre es möglich für mehr Bewohner des Intag-Tals Arbeit auf der Farm bereitzustellen. Bis dahin ist die Farm allerdings auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen. Zum Anderen unterstützt man mit dem gezahlten Betrag ganz unmittelbar die Bewohner des Intag -,Tals, beziehungsweise die Familie des einzigen Angestellten auf der Farm, Pedro. Mit dem Geld kann seine Frau, Cessy, als Hilfskraft für den Haushalt angestellt werden, wodurch sie ein eigenes Einkommen bezieht und zusammen mit ihrem Mann für die insgesamt sechsköpfige Familie sorgen kann. Zudem hat die Farmerin mehr Zeit für ihre Tochter, um mit ihr das Homeschooling-Programm richtig zu starten.

Weitere Eindrücke von Sebastians Reise erhaltet Ihr hier:

Sebastians kulinarische Erlebnisse

Quito bei Nacht

Die Farm ist sehr abgeschieden – dafür ist die Natur hier umso schöner
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Es gibt viele unterschiedliche Aufgaben, wie das Anlegen von Beeten
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Bei der Arbeit als Imker
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Die Farm liegt in der Nähe der winzigen Ortschaft Santa Rosa
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Vor Beginn der Farmarbeit war Sebastian in Quito zum Sprachkurs
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Weitere Impressionen von der Farmarbeit
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Sebastian bei der Arbeit mit der Freiwilligen Marleen
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Zurück auf der Farm gibt es auch Ausflüge auf die umliegenden Berge, durch den tiefsten, unerforschten Dschungel
Zurück auf der Farm gibt es auch Ausflüge auf die umliegenden Berge, durch den tiefsten, unerforschten Dschungel
Zwischen all der Farmarbeit dürfen auch Ausflüge nicht fehlen. Hier das nahegelegne Ibarra
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Cotacachi ist immer einen Besuch wert
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Gearbeitet wird natürlich auch im Regen
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Hier der berühmte Stoffmarkt von Otavalo
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Nach so einem anstrengenden Tag braucht es natürlich eine Stärkung: Leckeres Vegetarisches, direkt von der Farm!
Nach so einem anstrengenden Tag braucht es natürlich eine Stärkung: Leckeres Vegetarisches, direkt von der Farm!